Mit der Veröffentlichung des ersten
Berichts des Eurofiction-Projekts über einheimische fiktionale
Fernsehangebote in fünf europäischen Ländern ist das Vorhaben, unser
Wissen über die europäische Fernsehindustrie zu vertiefen, um einen
weiteren wichtigen Schritt vorangekommen. Fiktionale Angebote spielen
in den von europäischen Fernsehanstalten ausgestrahlten Programmen eine
wesentliche Rolle. Ihre Bedeutung steht somit in wirtschaftlicher wie
auch in kultureller Hinsicht ausser Zweifel. Deshalb ist es geradezu
paradox, daß es bis zur Schaffung von eurofiction keinen auf Dauer
angelegten institutionalisierten Zusammenhang gab, der eine
Untersuchung fiktionaler Fernsehangebote auf europäischer Ebene auf der
Grundlage gemeinsam vereinbarter Kriterien und Kategorien ermöglicht
hätte.
Eurofiction wird von der Fondazione Hypercampo gefördert. Für das
Projekt konstitutiv sind eine auf Miteinander und Austausch angelegte
Forschung sowie die Vereinbarung eines gemeinsamen Methodendesigns zur
Analyse fiktionaler Fernsehangebote. In diesem Sinne stellt Eurofiction
eine Pionierleistung dar. Das Projekt wird von einem bislang aus fünf
Forscherteams bestehenden Netzwerk getragen, dem im eigenen Lande ein
weithin anerkannter Expertenstatus auf dem Gebiet der Fernsehforschung
und insbesondere auf dem der Erforschung fiktionaler Fernsehangebote
zukommt. eurofiction stellt mithin einen Meilenstein für eine dezidiert
auf der europäischen Ebene operierende Erforschung des Phänomens
Fernsehen dar.
Als eine der Sammlung und Verbreitung von Kenntnissen zur europäischen
audiovisuellen Industrie verschriebene Einrichtung kann die Europäische
Audiovisuelle Informationsstelle die Schaffung des
eurofiction-Netzwerks nur begrüßen. Dies drückt sich u.a. auch in der
Unterstützung der ersten Ausgabe des Eurofiction-Berichts aus.
Die Unterstützung von Eurofiction steht im Zeichen einer übergreifenden
Strategie, der sich die Informationsstelle im Zuge ihrer Aufgabe der
Datensammlung im audiovisuellen Bereich verpflichtet hat. Zu den
Bemühungen der Informationsstelle zählen weiterhin: 1. Die Herausgabe
eines Statistischen Jahrbuchs, das grundlegendes statistisches Material
zum audiovisuellen Bereich bereitstellt. Das Jahrbuch gibt Auskunft
über die Umsatzzahlen der großen Unternehmen, zu Basisdaten der
europäischen Fernsehanstalten, einen Überblick über die fiktionalen
Angebote, Daten zu Ausstrahlungsrechten, Importen fiktionaler Angebote
sowie Informationen über den Stand des Bereichs Fernsehen in den 34
Mitgliedstaaten der Informationsstelle. Es enthält zudem Aufschlüsse
über Marktanteile sowie gesicherte Daten zum wirtschaftlichen
Abschneiden und zum bestehenden Programmangebot der großen
Fernsehanstalten. Das Jahrbuch wird von der Informationsstelle in
Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen (bipe Conseil, idate,
Screen Digest) und speziellen Einrichtungen (insbesondere act,
ecca und eur) sowie zahlreichen anderen Informationsanbietern
(vor allem ets und der von Médiamétrie angebotene Eurodata-Dienst)
erstellt. 2. Das Projekt Iris, ein der rechtlichen Situation gewidmeter
Überblick, der Zusammenfassungen der wichtigsten gesetzlichen
Vorschriften und Präzedenzfälle im Bereich Rundfunk und Fernsehen
bietet. 3. Zum Angebot der Audiovisuellen Informationsstelle zählt
weiterhin ein Auftritt im www, der links zu den home pages von
Fernsehsendern sowie einen Führer zu weiteren Informationsquellen
bietet (
http://www.obs.coe.int). Im Laufe des Jahres 1998 wird dieses
Angebot durch Einzelstudien weiter ausgebaut, die einen umfassenden
Überblick über den Bereich Rundfunk und Fernsehen in den verschiedenen
Ländern geben sowie eine Datenbank anbieten, die Informationen über
europäische Fernsehsender enthält.
Nach Ansicht der Informationsstelle fügt sich der für das
eurofiction-Projekt gewählte Ansatz im Bezug auf einheimische
fiktionale Fernsehangebote (die Feststellung des Umfangs der
ausgestrahlten einheimischen Produktionen, die Analyse der in den
Angeboten abgedeckten Themen, die filmographische Zusammenstellung der
wichtigsten Sendungen) nahtlos in die eigene übergeordnete Strategie
ein. eurofiction stellt somit eine ideale Ergänzung zu unserer eigenen
Datensammlung dar, die einem Schlüsseltypus der europäischen
Fernsehproduktion gewidmet ist.
Im filmographischen Index im Anhang finden sich übrigens ausführlichere
Angaben zu den einheimischen fiktionalen Produktionen, die u.a. im Text
erwähnt wurden oder herausragend sind.
Seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe des eurofiction-Berichts in
englischer Sprache unter der Schirmherrschaft der Europäischen
Audiovisuellen Informationsstelle haben verschiedene nordeuropäische
und russische Organisationen um Mitgliedschaft im eurofiction-Netzwerk
nachgesucht. Für die Wissenschaftler aus den verschiedenen
Gründungsorganisationen von eurofiction stellt dieser von Kollegen aus
anderen Ländern geäußerte Wunsch nach Zusammenarbeit eine Bestätigung
ihrer Arbeit dar. Als eine ihrer Verfassung und Berufung nach
paneuropäische Einrichtung kann die Audiovisuelle Informationsstelle
die schrittweise Ausweitung des eurofiction-Projekts bis zu einer
Abdeckung des gesamten europäischen Raumes nur willkommen heißen.
Darüber hinaus erfüllt uns die Beobachtung, daß diese Veröffentlichung
das Interesse nationaler und europäischer Einrichtungen auf sich
gezogen hat, die mit der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
zusammenarbeiten oder in der europäischen audiovisuellen Industrie
beheimatet sind, mit großer Befriedigung.
Wir von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle freuen uns,
daß wir eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von
Expertenorganisationen sowie professionellen europäischen und
nationalen Rundfunkorganisationen - die nur allzu oft wenig oder gar
nichts darüber wissen, was der andere tut - spielen können, wenn es
darum geht, gemeinsame Ziele und Richtlinien zu erarbeiten.
André Lange, Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Wissenschaftlicher Leiter, Bereich Marktinformation.